Papierflieger

Eine Patenschaft, die bewegt: Tharshika Thavayogarajah und Farnaz Ghasemzadeh Shirazi

Autoren: Tharshika Thavayogarajah (Studienpatin) und Farnaz Ghasemzadeh Shirazi (Senkrechtstarterin)

Studienpatin

Tarshika Thavayogarajah und Farnaz Ghasemzadeh ShiraziMein Name ist Tharshika Thavayogarajah und ich studiere im 9. Semester Humanmedizin.  Meine Eltern sind 1985 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und sie förderten mich stets in all meinen Bestrebungen. Meine Mutter sagte einst zu mir: „Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Dieser Satz bestimmte meine ganze Laufbahn. Während der Schulzeit wurde mir bewusst, welches Privileg ich habe: „Ich lebe in Sicherheit und Frieden und kann meine Träume verwirklichen. Wie viele Menschen können das auf dieser Welt?“Daher entstand in mir der Wunsch, nicht nur meine Träume zu verwirklichen, sondern mit meinen Fähigkeiten und Talenten auch andere Menschen mit Potenzial zu fördern und Ihnen dabei zu helfen, Ihre Träume zu verwirklichen. Mir war relativ früh bewusst, dass ich Ärztin werden möchte und durch die Unterstützung von Mentoren, die mir immer wieder Mut und Hoffnung gaben, kann ich nun diesen Traum verfolgen und verwirklichen. Daher wollte ich diese Unterstützung, die ich erhalten habe, zurückgeben und die Rolle einer Studienpatin einnehmen. Es ist schwierig, wenn keiner aus der Familie einem bei der Studienwahl oder auch bei der Bewerbung helfen kann, denn das sind entscheidende Situationen im Leben von jungen Menschen. Bildung sollte zugänglich für alle sein. Daher wirke ich seit 2012 als Studienpatin bei dem „Senkrechtstarter“-Programm mit. Letztlich bin ich überzeugt davon, dass wir unsere Zukunft gestalten: “The only way to predict the future is to create it“ (Abraham Lincoln).

Senkrechtstarterin

Ich heiße Farnaz Ghasemzadeh Shirazi und bin seit vier Jahren in Deutschland. Ich habe bei Herrn Götte die deutsche Sprache erlernt. Durch seine exzellente Lehrweise und die positive und motivierende Atmosphäre im Unterricht konnte ich die deutsche Sprache schnell erlernen. Nach sechs Monaten habe ich den Deutschsprachkurs bei Herrn Götte erfolgreich abgeschlossen. Daraufhin habe ich die Chance erhalten, in die neunte Klasse eines Gymnasiums zu gehen. Nachdem ich nun auf dem Gymnasium zur Schule ging, habe ich gleichzeitig gleichaltrigen Schülern, die in ähnlichen Situationen waren wie ich (ebenfalls aus anderen Ländern kamen), schon Deutschnachhilfe gegeben.

Dass man sich an eine neue Kultur anpasst, gleichzeitig eine neue Sprache lernt und nicht bei seinen Eltern wohnt, ist keine einfache Sache. Aber mir war sehr früh klar, dass ich Ärztin werden möchte. Daher habe ich nur an mein Ziel gedacht und dafür gekämpft. Manchmal habe ich das Gefühl nicht immer mit Fairness und Gerechtigkeit bezüglich meiner Leistungen behandelt zu werden, aber trotzdem habe ich nie aufgegeben, an meinen Traum zu glauben und hoffe, dass ich mein Ziel erreichen werde. Dadurch wäre nicht nur meine Familie, sondern ich selber auch stolz auf meine Leistungen. Ich will beweisen, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, alle seine Ziele zu erreichen.

Das Kennenlernen und ihre Patenschaft aus der Sicht von Farnaz und Tharshika

Farnaz: Durch Herrn Götte habe ich in der Q1 meine Studienpatin Tharshika kennengelernt, die mich über zwei Jahren bereits unterstützt und weiterhin unterstützen wird, mein Ziel zu erreichen. Sie bringt mir bei, wie ich produktiv lernen kann und wie ich vorzugehen habe, um meine Leistungen zu verbessern. Auf diesem Weg hat sie mir sehr geholfen und sie hilft mir immer noch. Sie hilft mir nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Leidenschaft, ihre Erfahrungen weitergeben zu können und mir damit zu helfen. Sie ist für mich sehr viel mehr als eine Studienpatin. Sie ist für mich wie eine Freundin, die mir immer zur Seite steht. Ich hoffe, dass ich in der Zukunft meine Erfahrungen ebenfalls als Studienpatin den anderen Senkrechtstartern mitteilen und produktiv sein kann.

Tharshika: Herr Götte (Deutschlehrer von Farnaz) sprach mich an, ob ich eine intensive zweijährige Patenschaft eingehen möchte mit einer talentierten Schülerin, deren Traum es ist Ärztin zu werden. Sie sei alleine in Deutschland ohne ihre Eltern und kämpfe dafür, ihren Traum zu verwirklichen. Sofort war mir bewusst, dass ich genau so jemanden unterstützen möchte. Ich lernte Farnaz kennen und wir trafen uns, um über ihre Träume und Ziele zu reden. Aus geplanten zwei Stunden wurde ein ganzer gemeinsamer Tag, an dem wir uns kennenlernten, zusammen kochten und unsere Lebensgeschichten austauschten. Aus dieser Patenschaft ist eine Patenschaft entstanden, die bis zu einer engen Freundschaft reicht.  Wir treffen uns regelmäßig, arbeiten effizient und produktiv, indem wir gemeinsam Lernpläne erstellen, Fachinhalte durchgehen und uns den Lernerfolg und die Verbesserung ihrer schulischen Leistungen anschauen. Daneben reden wir auch über persönliche Themen. Ich kann ihr viel von meinen Erfahrungen aus dem Studium erzählen, welches ich bald abschließen werde. Es freut mich, meine Erfahrungen, Tipps und Ideen mit ihr zu teilen und sie auf dem Werdegang zur exzellenten Medizinerin zu fördern. Es gibt so oft im Studium informelle Tipps, die Studenten oft sehr weit bringen – gute Professoren, die einen in einer Promotion fördern, exzellente Förderprogramme, für die man sich bewerben kann und auch einfach Klausurtipps und Lernhilfen. Aus ihrem Traum wurde ein gemeinsamer Traum, ein gemeinsames Ziel – Farnaz und ich arbeiten dafür,  dass sie Medizin studieren kann, indem sie exzellente schulische Leistungen erbringt.

Durch meinen eigenen Migrationshintergrund kann ich Farnaz auch in speziellen Situationen beraten, wie man mit Rassismus, Neid und Misserfolgen umgeht. Eine Patenschaft kann das Leben von jedem einzelnen bewegen. Nicht nur die Senkrechtstarter profitieren, sondern auch wir Studienpaten, denn durch das Feedback unserer Senkrechtstarter und ihre Erfolge wachsen wir auch. Darüber hinaus sehen wir viele Sachverhalte aus anderen Perspektiven, und manchmal ist es einfach wundervoll zu sehen, wie Menschen mit Potential endlich die Möglichkeit und die Unterstützung erhalten, sich komplett zu entfalten. 

Gemeinsame Danksagung

Wir beide möchten uns bei Herrn Dr. Kudo, Herrn Götte, dem „Senkrechtstarter“-Programm sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung bedanken, denn wir beide nehmen sehr viel aus dem Programm mit und letztlich unsere Patenschaft, die daraus entstanden ist und weiter als die vorgesehenen zwei Jahre halten wird.

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