Papierflieger

Ein Stück Westen im Nahen Osten

Hier erhole ich mich am liebsten von der Uni: Am Strand von Jaffa neben Tel Aviv.

Der Campus meiner Uni ist voll von Palmen und Olivenbäumen, das Mittelmeer liegt nur eine halbe Stunde zu Fuß entfernt. Von Mai bis November ist Hochsommer in Israel, man könnte also ohne Probleme jeden Unitag mit einem Sprung in die Wellen abschließen. Aber ein Studium in Tel Aviv bietet noch mehr. Ich studiere meinen Master in Nahoststudien und lerne auch dann wahnsinnig viel, wenn ich die Uni und die Stadt verlasse.

Allein im letzten Monat war ich in Jerusalem, Tiberias, Haifa, Akko, Bethlehem, Hebron und in der Wüste. In Israel sind die Entfernungen gering und als Ausländerin kann ich sogar in die West Bank reisen.

Tel Aviv ist ein spannender Ort für ein Studium, aber eben auch eine Blase in vielerlei Hinsicht. Ein Stück Westen im Nahen Osten, ein Ort zum Entspannen, Genießen und Feiern. Ich liebe die Stadt, weil sie so international, offen und fortschrittlich ist. Schon 2019 habe ich mich dazu entschieden, meinen kompletten Master hier zu studieren, weil ich hier beides haben kann: moderne Metropole und Naher Osten drumherum. 

Studium im Ausland bedeutet so viel Reisen wie möglich

Natürlich hat mir Corona einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, und ich habe die Hälfte des Masters in meiner Wohnung studiert. Aber die Zeiten zwischen Israels drei Lockdowns habe ich genutzt. Mit dem Bus oder Zug kann man viele Städte bequem erreichen und wenn man in die West Bank möchte, ist das mit ein wenig Planung und Hilfe von Menschen vor Ort ebenfalls möglich. Das „Heilige Land“, wie Israel und die palästinensischen Gebiete auch genannt werden, ist normalerweise Ziel tausender Pilger/-innen aus aller Welt, die die Orte aus der Bibel mit eigenen Augen sehen wollen. Aktuell bleiben Israels Grenzen wegen der Pandemie für Touristen/-innen geschlossen. Das bedeutet, dass zum Bespiel die Geburtskirche Jesu in Bethlehem so leer ist, dass man die berühmte Grotte ohne Wartezeit besuchen kann. Für diejenigen, die sowieso im Land sind, ist das umso schöner.

Jedes Mal wenn ich Tel Aviv verlasse, habe ich das Gefühl, eine neue Welt zu entdecken. In Israel leben Angehörige vieler verschiedener Religionen und Kulturen zusammen, natürlich nicht immer frei von Spannungen. Um den Konflikt zu verstehen, ist es mir wichtig, so viele Meinungen wie möglich zu hören und mit Menschen an verschiedenen Orten zusammenzukommen. Das gehört für mich indirekt auch zu meinem Studium dazu.

Auch landschaftlich ist Israel sehr divers. Im Norden liegt im Winter auf dem Berg Hermon Schnee, während der Süden Israels aus heißer Steinwüste besteht. Es gibt Flüsse mit grünen Flussbetten, das Tote Meer und den See Genezareth, um nur ein paar Ausflugsziele zu nennen.

Ein wichtiger Bestandteil meines Studiums sind für mich Sprachen. In Tel Aviv kommt man mit Englisch gut zurecht, aber es lohnt sich, Hebräisch zu lernen, wenn man länger hierbleiben oder mehr Kontakt zu Israelis aufbauen möchte. Gut 20 Prozent der Bevölkerung Israels besteht aus Araber/-innen, daher lerne ich gerade auch Arabisch. An der Uni wird beides in Sprachkursen angeboten.

Studieren auf Englisch an der Uni Tel Aviv

Mein Studium in Middle Eastern Studies besteht aus Kursen zur Geschichte des Islam und der politischen neueren Geschichte der Region. Ich habe mich auf den israelisch- palästinensischen Konflikt konzentriert und schreibe nun meine Masterarbeit über die Zeit des britischen Mandats in Palästina. Falls Dich Geschichte aber eher weniger interessiert: Die Uni in Tel Aviv bietet eine Vielzahl an Studiengängen in verschiedenen Bereichen auf Englisch an. Die Programme umfassen in der Regel ein Jahr, im Anschluss kann man bis zu einem weiteren Jahr im Land bleiben, um eine Masterarbeit zu schreiben.

Natürlich sollte man auch die Sicherheitslage in Israel im Auge behalten, wenn man über ein Studium hier nachdenkt. Im Alltag fühle ich mich besonders in Tel Aviv absolut sicher. Trotzdem ist mir bewusst, dass eine militärische Eskalation jeder Zeit wieder möglich ist. Studierende werden in solchen Zeiten gut von der Uni betreut: Der Campus und die Studierendenwohnheime sind mit Bunkern und Schutzräumen ausgestattet und niemand muss in Krisenzeiten alleine bleiben.

Wie finanziere ich mein Studium?

Das Leben in Israel, besonders in Tel Aviv, ist teuer. Vom Joghurt im Supermarkt bis zur Wohnungsmiete, alles kostet circa dreimal so viel wie in Deutschland. Wie man sich das als Studierende leisten kann? Zum Glück gibt es Stipendien. Ich habe zum Beispiel eines vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (hier findet ihr den Link zur Bewerbung). Davon kann ich alles bezahlen, was ich zum Leben brauche, sowie einen Teil der Studienkosten. Die sind mit 20.000 Dollar inklusive der Masterarbeit im Vergleich zu Europa ziemlich hoch. Trotzdem, Middle Eastern Studies vor Ort im Nahen Osten zu studieren bietet den Vorteil, nicht nur im Hörsaal sondern vor der eigenen Haustür zu lernen.

Falls Du Interesse an einem Auslandsaufenthalt in Israel hast – schreib mir gerne!

Zurück