Papierflieger

Studienstart in Corona-Zeiten: So kommst Du trotz Online-Vorlesungen gut durch’s Studium

Ich bin Valentin, 19 Jahre alt und studiere jetzt im dritten Semester Geschichte und Philosophie in Berlin. Obwohl ich die ersten zwei Semester online studiert habe, bin ich umgezogen und stand vor vielen neuen Herausforderungen. Immerhin konnte ich bei meinen Großeltern wohnen, das hat mir die Situation etwas erleichtert.

26. Dezember 2020, zwei Monate nach Beginn des ersten Semesters

Ich hätte ich gern früher mehr darüber gewusst, wie ich am besten mit Situationen wie dieser hier umgehe:
Die gemütlichen Weihnachtstage sind vorbei. Ich kann meine Mutter nach ihrem Besuch kaum richtig verabschieden. Meine Gedanken fokussieren sich auf den ersten Uni-Essay, der in einer Woche fertig sein muss. Und was, wenn ich Murks abliefere? Ich sehe nur einen Weg: Arbeiten, arbeiten, arbeiten.
Dem Text hat das gut getan - meiner mentalen Energie eher weniger. Einerseits ist mein Leben nach der Schule komplett neu. Andererseits lebe ich immer noch in einem vertrauten Umfeld und lerne nichts und niemanden Neues kennen. Ich habe keinen Ausgleich, der den Fokus auch mal weg von mir und meinen Aufgaben legen könnte.

Doch so geht es vielen…

Nach Treffen mit Kommiliton/-innen weiß ich: Ich war nicht allein mit solchen Gefühlen. Doch es gibt viele Lösungen. Ich hätte mir das Leben selbst leichter machen können und will jetzt auch wissen wie.
Deshalb frage ich Lena von „Senkrechtstarter“. Sie ist fast mit ihrem Masterstudium fertig und kann erzählen, wie sie sich ihren Alltag mit und ohne Corona organisiert hat.

Ich kann nur empfehlen, sich einen ganz klaren Lernalltag mit Uhrzeiten einzurichten. Ganz wichtig ist, dass man sich dabei auch Pausen einplant, in denen man vom Laptop wegkommt. Und: Wenn Feierabend ist, ist Feierabend. Das habe ich leider viel zu oft nicht eingehalten - deswegen würde ich genau das als das Wichtigste weiterempfehlen.

I feel you, Lena! An Uhrzeiten hat’s mir nicht gemangelt, aber gezielt mal zu pausieren oder um 18 Uhr aufzuhören, ist mir wahnsinnig schwer gefallen. Wenn ich es dann doch mal geschafft habe, weil zum Beispiel nicht so viel zu tun war, hatte ich gleich mehr Energie. A propos Energie...

Ich habe immer am meisten Energie daraus gezogen, mich mit meinem Freund/-innen zu treffen. Einerseits um sich über das Studium auszutauschen, andererseits auch um sich davon gegenseitig abzulenken. Das ist in Corona-Zeiten natürlich weggefallen.

Und dabei kanntest Du ja immerhin schon Leute an Deinem Studienort, musstest Dich nicht komplett neu einleben. Du hattest eine Art Energie-Lücke, bei mir war vorher ja noch nichts da gewesen. Wie, würdest Du sagen, kriege ich als Ersti jetzt trotzdem Energie in meinen Alltag?

Ich habe das Zuhause-Sitzen gut 1,5 Wochen ausgehalten, dann bin ich jeden zweiten Tag zum Ausgleich joggen gegangen. Also ich habe versucht die Bildschirmzeit und das Sitzen daheim aktiv mit Rausgehen und frischer Luft auszugleichen.

Das habe ich tatsächlich auch gemacht und es hat sich sehr gut angefühlt. Aber ganz ohne Menschen, habe ich gemerkt, geht es natürlich nicht. Nun kannte ich im Gegensatz zu Dir ja noch niemanden in meiner Stadt, aber hast du trotzdem Tipps, wie man im Lockdown neue Leute kennenlernen kann?

Ja, klar! Eine Strategie, bei der ich nicht einmal jemanden Neues kennenlernen musste, ist alte Freundschaften auffrischen. Das gibt einem ein Stück Gewohnheit zurück. Ansonsten kann ich nur digitale Veranstaltungen von der Uni empfehlen - bei uns gab es zum Beispiel Schreibabende, wo man gemeinsam lernen konnte. Aber Get-Together Meetings von Fachschaften sind auch super. Gerade für Erstis wird da viel angeboten und ich empfehle dringend, das anzunehmen. Denn nicht vergessen: Am Anfang sitzen alle im selben Boot und möchten neue Menschen kennenlernen.

Klingt alles nach guten Wegen, mal Kommiliton/-innen kennenzulernen, wenn das schon nicht in der Uni geht! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das kann auch ganz schön witzig sein und muss nicht mal etwas mit Lernen zu tun haben. Ich erinnere mich an ein Pubquiz mit über 50 Leuten auf Zoom oder Online-Spieleabende.
Und in einem Seminar habe ich tatsächlich auch Kommiliton/-innen näher kennenlernen können, weil wir das ganze Semester in einer kleinen, aber festen Arbeitsgruppe lernen mussten. Kleiner Tipp also: Auch wenn Deine Profs das nicht explizit verlangen, kann es für Dich also sinnvoll sein, eine Art Kennlern-Arbeitsgruppe zu bilden.

Oktober 2021, ein Jahr später

Es ist das erste Mal, dass ich viele Menschen aus meinem Studiengang im echten Leben treffe, in einer großen Gruppe und mit guten Drinks. Meine Kommiliton/-innen aus der Arbeitsgruppe sind mir am vertrautesten. Wir haben uns zwar schon zweimal vorher im echten Leben getroffen, aber nur kurz. Jetzt überträgt sich unsere Online-Bekanntschaft ins echte Leben und wir sind alle ein bisschen euphorisiert. Endlich das Leben, das zu unserem Lebensabschnitt passt. Und ein eindrücklicher Beweis: Es ist auch im Lockdown möglich ist, den Grundstein für ein gutes Studierendenleben zu legen.

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